Zinssenkungen stärken Aktienmärkte

Mit einem Plus von 18,8% legte der DAX nach +20% in 2023 ein zweites Gewinnjahr in Folge hin. In der ersten Dezemberhälfte kletterte der Leitindex auf ein neues Allzeithoch mit über 20.400 Zählern, bevor er zum Jahresende mit einem Stand von rund 19.900 aus dem Handel ging. Trotz aller politischen Turbolenzen und schlechter wirtschaftlicher Stimmung im Inland kam wieder einmal zum Tragen, dass die meisten DAX-Unternehmen den Großteil der Umsätze und Gewinne mit rund 80% im Ausland erwirtschaften, wo es noch Wachstum gab.

23 der 40 DAX-Aktien schlossen auf Jahressicht positiv. Siemens Energy konnte sich nach schwierigen Jahren mit +320% nun deutlich steigern. Auch der Rüstungskonzern Rheinmetall zählt mit +114% erneut zu den Jahressiegern wie auch wiederum SAP mit +69%. Verluste mussten insbesondere Aktionäre der deutschen Automobilhersteller hinnehmen. Am anderen Ende der Jahresbilanz befinden sich aber der Chemieindustriedistributor Brenntag mit -30%, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius mit -35% und erneut der Leverkusener Chemieriese Bayer mit -42%.

Wie schon 2023 konnten die mittleren und kleineren deutschen Werte nicht mit dem DAX mithalten und spiegeln etwas deutlicher die Situation in der heimischen Wirtschaft wieder. Der MDAX verlor -5,7% und der SDAX schloss ebenfalls mit -1,8% schwächer. Immerhin behauptete sich der TecDAX noch mit +2,4%. Im MDAX legte der Autohändler Auto1 Group um 140% zu. Im SDAX führt der Chemieproduktehersteller Alzchem Group mit +119%. Es folgt im SDAX der Halbleiterindustrieanlagenbauer SUSS MicroTec mit +75%, der gleichzeitig wiederum das Jahresranking des TecDAX anführt.

Die internationalen Aktienmärkte zeigten sich weiter überwiegend gefestigt. Der Euro Stoxx 50 stieg um +7,7%. Der Dow Jones gewann rund +13%, performte aber gegenüber dem S&P 500 (+25%), der den breiten US-Markt abbildet, und dem Nasdaq 100 mit +27% etwas schwächer. Es waren erneut die großen Tech-Werte, welche die Indizes trugen. So stiegen die Aktien des KI IT-Hardware-Herstellers Nvidia weiter um +180%, des Elektroautoherstellers Tesla um +70% oder des Internetkonzerns Meta um knapp +70%.

DAX ist teurer geworden

Das DAX-KGV ist im Laufe von 2024 von 13,1 auf 18,2 angestiegen und verharrt momentan auf dem erhöhten Niveau zum Jahresende. Damit sind die Kurse den Unternehmensgewinnen etwas davongelaufen, was ein gewisses Korrekturpotenzial in sich birgt. Im langfristigen Mittel von 30 Jahren liegt das DAX-KGV etwa bei 19. Damit wäre der Markt zumindest nicht überteuert. Bei den Dividendenrenditen gab es einen Anstieg von 2,9% auf 3,9%. Überdurchschnittliche erwartete Ausschüttungen (DIVe) böten derzeit die Automobilhersteller bei fundamental aber schwierigen Aussichten.

Das MDAX-KGV hat sich mit 18,1 im Jahresverlauf kaum verändert (VJ: 17,7). Im TecDAX liegt es mit 42 inzwischen deutlich höher (VJ: 15,9). Das Dow Jones-KGV hat sich weiter auf 25,3 von 22,7 erhöht, wie auch das S&P 500-KGV auf 29,1 von 25,3. Spürbar angezogen hat das Nasdaq-KGV auf 46 (VJ: 26,1). Dominante Weltmarktpositionen von US-Unternehmen rechtfertigen vielfach höhere Bewertungen. Der Nasdaq wie auch der deutsche TecDAX sind aber nicht mehr günstig. Der Euro Stoxx 50 verfügt mit einem KGV von 15,4 noch über ein vergleichsweise normal faires Bewertungsniveau.

Goldpreis weiter gestiegen

Der Goldpreis erreichte im Oktober einen neuen Höchststand von über 2.750 USD je Feinunze. Geopolitischen Spannungen, der Ukrainekrieg oder der Konflikt im Nahen Osten haben Gold im Jahresverlauf erneut weiter gestärkt. Auch die Notenbanknachfrage, insbesondere der BRICS-Staaten, oder jüngste Zinssenkungen wirkten sich preissteigernd aus. Auf Jahressicht stieg Gold um 27%. Auch Silber konnte um 22% zulegen. In weiteren Rohstoffbereichen haben die Erdgaspreise in der zweiten Jahreshälfte 2024 wieder deutlicher angezogen, sind aber von den Höhen in 2022 noch weit entfernt. Uran hat mit -22% nach der Preissteigerung in 2023 etwas deutlicher korrigiert. Lithiumcarbonat gab 2024 um weitere 22% nach, wofür u.a. Chinas billige Produktion verantwortlich gemacht wird. Der Sektor erscheint inzwischen als überverkauft und sieht sich langfristig mit einer deutlichen Nachfragesteigerung konfrontiert. Ohne Lithium ist ein Umstieg auf Elektrofahrzeuge gegenwärtig nicht möglich.

Deutsche Wirtschaft weiter schwächelnd

Die Erholung der deutschen Wirtschaft lässt weiter auf sich warten. Rückblickend für 2024 rechnet die Deutsche Bundesbank mit einem um -0,2% leicht sinkenden realen Bruttoinlandsprodukt. Im Ausblick auf 2025 sei ein leichtes Wachstum von +0,2% denkbar. Durch die inzwischen andauernde Wirtschaftsschwäche wird auch der privaten Konsum weiter verhalten bleiben. Trotz schwächerer Konjunktur würde die Inflation 2025 nur geringfügig von 2,5% auf 2,4% in 2025 fallen.

Zinsen gesenkt

Seit September kam es von Seiten der US-Notenbank FED dreimal in Folge zu Zinssenkungen von insgesamt 100 Basispunkten. Dies geschah fast erwartungsgemäß und ist eine der maßgeblichen Stimulanzen für das insgesamt gute Börsenjahr. Für 2025 sei aber möglicherweise wegen der nach wie vor erhöhten Inflation in den USA weniger Zinssenkungsphantasie absehbar.

Auch die Europäische Zentralbank senkte die Leitzinsen 2024 insgesamt viermal auf inzwischen 3%. Gründe seien hier die abklingende Inflation in der Eurozone und die wachsende Sorge um die schwache Konjunktur, der Investitionsanreize entgegengesetzt werden sollen. Eine Zinspause ist nun aber ebenfalls denkbar. Wieder steigende Energiepreise oder eine Abwertung des Euro könnten die Inflation wieder antreiben.

Ausblick auf 2025

Neben dem unklaren Ausblick auf den weiteren Zinssenkungsprozess der großen Notenbanken dürfte auch das kommende Aktienjahr vermutlich nicht mehr so ganz so erfolgreich wie 2024 oder 2023 verlaufen, wo im Schnitt deutliche Überrenditen zu langjährigen Durchschnitten erzielt werden konnten. Verharren die Zinsen und kommen Rezessionsängste bei ausbleibendem Wachstum deswegen dazu, sind dies nicht die besten Zutaten für ein erfolgreiches Börsenjahr. Zudem: Deutschland sieht sich Neuwahlen gegenüber, steigende Energiekosten belasten, Trumps Zölle können unsere Unternehmen treffen und auch die internationalen Krisen bleiben erhalten. Umso mehr sollte man sich als Anleger auf Fundamentaldaten wie dem Gewinnwachstum und gutes Timing im Markt konzentrieren.

WIR WÜNSCHEN EIN GESUNDES UND ERFOLGREICHES JAHR 2025!

Herzlichst,

Ihr Karl Miller

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Verfasst von Karl Miller

Karl Miller, Diplom-Kaufmann Univ., ist Chefanalyst bei SmallCap Research mit über 20 Jahren Erfahrung in der Aktienmarktanalyse, Unternehmensbewertung und Investment Research. Darüber hinaus auch Beratertätigkeiten im Fondsmanagement, in der Vermögensverwaltung, im Bereich der Finanzierung und Investor Relations. Diverse Publikationen in Börsenbriefen und Finanzzeitschriften wie Finanz-Betrieb oder FOCUS-MONEY.

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